By Marisa

Isomatte, PCT, Thruhike

Meine Isomatten-Odyssee: Leicht oder bequem?

Wenn man viel draußen schläft, sammelt man zwangsweise Erfahrungen. Manche schön, manche weniger schön – und manche klingen wie das Auspacken von Weihnachsgeschenken direkt neben deinem Ohr.

Ich habe in meinem Outdoor-Leben jedenfalls unzählige Isomatten getestet, aber am Ende lande ich immer wieder bei derselben Marke: Therm-a-Rest. Nicht unbedingt, weil die Matten mir jeden Wunsch von den Augen ablesen (tun sie definitiv nicht, siehe unten), sondern wegen zwei Gründen:
Der Garantie – und der Tatsache, dass die Dinger einfach ewig halten.

Von Paddeltouren über Bikepacking bis zu längeren Wanderwegen wie Albsteig, Goldsteig, Rennsteig und Teilen des Nordkalottleden hat mich immer irgendeine Therm-a-Rest begleitet. Während ich von Boot zu Bike zu Trail gewechselt bin, musste die Ausrüstung immer eines werden: leichter, kompakter, nervenschonender.
Die letzte Kategorie wurde im Laufe der Jahre übrigens immer wichtiger.

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Trail Lite – Die treue Sofa-Version

Meine erste ernsthafte Isomatte war die Therm-a-Rest Trail Lite* in 183 × 51 cm. Eine super bequeme Isomatte in Mumienform.

Die Trail Lite ist eine dieser klassischen selbstaufblasenden Isomatten, knapp 4 cm dick, mit einem soliden R-Wert von 3,2. Bei Nächten knapp über 0 °C reicht das meist. Geht’s drunter, spürt man die Kälte langsam den Rücken hochkriechen.

Mit ihren 860 Gramm war sie für mich fürs wandern zu schwer, aber:
Ich habe verdammt gut darauf geschlafen. Auf frühen Touren wie dem Nordkalottleden, dem Albsteig und dem Rennsteig war sie ein treuer Begleiter – schwer, ja, aber zuverlässig. Eine Art SUV unter den Isomatten: Nicht elegant, aber bequem. Man könnte sie fürs Biwakieren theoretisch auch ohne Groundsheet nutzen, da sie sehr robust ist, ich nehme meist das Footprint meines Zeltes, wenn ich nicht Ultraleicht unterwegs bin. Die Trail-Lite ist immer noch meine Must-Have-Isomatte für Kanutouren, bei denen es nicht auf jedes Gramm ankommt.


ProLite Plus – Die Diät-Version

Irgendwann kam der Punkt, an dem ich dachte: „860 Gramm? Das geht doch bestimmt leichter.“
Also zog die ProLite Plus* bei mir ein.

Diese Matte ist im Prinzip die kleine, motivierte Schwester der Trail Lite: 119 × 51 cm, 450 Gramm, ebenfalls selbstaufblasend und ebenfalls ein R-Wert von 3,2. Der Komfort? Überraschend gut.
Aber:
Wer nur eine 119 cm lange Matte hat, muss kreativ werden. Ich habe gelernt, mir abends die komplette Tageskleidung unter die Füße zu stopfen, weil der Boden sonst schnell kalt wird. Jetzt ist ein Groundsheet beim Biwakieren wieder Pflicht, hier nehme ich eine superleiche Polyvryo Folie.

Trotzdem: Die ProLite Plus ist die letzte Matte, auf die ich mich wirklich verlassen konnte.
Im Vergleich zum Nachfolger würde ich sie jederzeit wieder nehmen – denn sie war einfach bequem. Punkt.


NeoAir X-Lite – Liebe, Hass und schlaflose Nächte

Dann kam der Moment, den jede*r Ultralight-Fan einmal durchmacht: Man tut etwas Dummes.
Man kauft eine NeoAir X-Lite*. Diese wird von vielen Ultralight-Hikern empfohlen. Vielleicht habe ich einen zu leichten Schlaf, denn für mich ist diese Matte nicht ideal.

Sie hatte damals 120 Euro gekostet, was meinem Geldbeutel nicht gut getan hat. Damals war es eine existenzielle Entscheidung – irgendwo zwischen Selbsterkenntnis und Wahnsinn. Die Matte wiegt nur 230 Gramm, hat aber einen R-Wert von 4,2. Klingt nach einem Traum, oder?

War es nicht. Ich habe wochenlang bereut, sie gekauft zu haben:

  • Die Matte ist zu hart.
  • Sie ist laut – ich nenne sie liebevoll die „Knister-Tüte“.
  • Beim Umdrehen klang es, als würde ich 52 Rettungtecken zerknüllen falten.
  • Die Höhe von 6 cm sorgte dafür, dass meine Füße in der Luft hängen (es ist ja nur eine kurze Matte.

Und das Schlimmste:
Man konnte sie nur in 183 cm Länge kaufen – und ich bin 1,62 m. Die Women’s Version war genauso schwer wie die große. Also nein. Einfach nein.

Ich habe diese Matte bestimmt fünfmal gehasst, zwei- oder dreimal verflucht, und dann – wegen Gewicht und Packmaß – doch wieder eingepackt.
Ein toxisches Verhältnis, könnte man sagen.

Besonders bitter ist es, wenn man nachts aufwacht, weil man plötzlich auf dem kalten Boden liegt. Nun ja, habe ich schon erwähnt, dass die X-Lite nicht so unzerstörbar ist wie ihre selbstaufblasbaren Schwestern? Eigentlich kein großes Problem, da ich ein Flickset dabei habe (das wirklich gut funktioniert), zumindest wenn man einen See in der Nähe hat, um das Loch zu flicken. Was man nicht alles erlebt auf dem Trail. Aber ich kann sagen, dass es sich auch auf der unbequemsten Isomatte gut schläft, nachdem man bereits den 5. Tag 35 km gewandert ist. Wenn alles Stricke reißen ist das auch eine Lösung…

Ich bin jedenfalls auf der Suche nach einer neuen Isomatte.


NeoAir X-Lite NXT – der vielleicht letzte Versuch

Jetzt habe ich mir den Nachfolger vorgenommen: die NeoAir X-Lite NXT*.
Warum?
Weil sie angeblich leiser ist (bitte, liebes Universum, lass es stimmen).

Und:
Es gibt endlich eine Short-Version mit 168 cm Länge, die keine extra Frauenversion ist. Sie wiegt 330 Gramm und hat einen R-Wert von 4,5. Ähnlich warm, etwas schwerer, aber vielleicht endlich eine Matte, die nicht die Nachbarn weckt.

Ich werde sie bald testen – und dann gibt’s hier mein ehrliches Fazit.

Ich habe die NeoAir X-Lite inzwischen auf einer Winterwanderung getestet und mich entschieden, sie auf den PCT mitzunehmen. Nachgewogen kommt meine Isomatte auf 345 g und liegt damit etwas über der Herstellerangabe, dafür ist sie jedoch deutlich leiser als ihr Vorgänger, was für mich ein großer Pluspunkt ist.

Selbst bei –8 °C in der Nacht hatte ich keinerlei Probleme mit Kälte von unten. Mein Rücken blieb warm, sodass ich die Matte uneingeschränkt auch für die kalte Jahreszeit empfehlen kann.

Was mich allerdings am meisten überrascht hat, ist der Liegekomfort. Der Unterschied zur 1,20 m kurzen Matte ist enorm. Ich hätte nicht erwartet, dass ein paar Zentimeter mehr Länge so viel ausmachen, aber ich schlafe deutlich besser und entspannter. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, wirklich die richtige Isomatte für mich gefunden zu haben.

Jetzt muss sie nur noch eines tun: den PCT durchhalten.

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